Bürgerforum „Lust auf Kaltnaggisch“

Motivation

Geschäfte geben auf, das Dorffest ist ausgesetzt, Vereine klagen über mangelnde Unterstützung und Zulauf, Gruppen über fehlende Räumlichkeiten, der Zustand der Straßen wird immer schlechter, Jugendlichen fehlt ein geschützter Ort. Über die letzten Jahre wurden die Kommunikationsanlässe in Kaltnaggisch immer weniger. 

Dieser Entwicklung möchte der OIV entgegenwirken. So wurde der Vorstand vor einiger Zeit aufmerksam auf das Angebot der Servicestelle Dorf des Regionalverbands Saarbrücken, Orte unter 3000 Einwohner bei der Dorfentwicklung zu unterstützen (https://www.regionalverband-saarbruecken.de/servicestelledorf/). 

Rahmen und Ablauf

Im Bürgerforum sollte nun der Ideenreichtum der Bürgerinnen und Bürger genutzt werden, um die Dorfgemeinschaft zu fördern. Jeder Bürgerin und jedem Bürger sollte die Gelegenheit gegeben werden, ihre bzw. seine eigenen Anliegen, Wünsche und Erfahrungen mit Mitbürger(inne)n auszutauschen und so neue Impulse zur Weiterentwicklung von „Kaltnaggisch“ zu generieren.

Am Dienstag, 05. Juni 2018 war der Versammlungsraum in der evangelischen Kreuzkirche mit knapp 50 Personen gut gefüllt als Markus Ehses die Teilnehmer(innen) und die Vertreter des Regionalverbands Herr Schreiner und Frau Di Marco begrüßte. Er dankte im Namen des OIV der evangelischen Kirchengemeinde, die erneut die Räumlichkeiten für das Bürgerforum zur Verfügung gestellt hatte. Der Moderator des Abends, Klaus Kuntz vom Moderationsbüro kompass21, führte in den Ablauf des Abends ein.

In einem Vorbereitungsworkshop im April hatte eine bunt gemischte Gruppe drängende Handlungsfelder identifiziert.

Anhand dieser fünf Kernfragen sollten im Bürgerforum Bürger, ortsansässige Gewerbetreibende und Vertreter(innen) von Vereinen und Institutionen ins Gespräch kommen und den neuen Schwung dazu nutzen, mit Gleichgesinnten konkrete Maßnahmen und Projekte anzustoßen. Alle Teilnehmenden wurden per Los in fünf Gruppen eingeteilt, die jeweils im Verlauf des Forums alle Themenstationen durchliefen. Jede der fünf Themenstationen wurde von zwei Themenbeauftragten moderiert, die die Ideen der Teilnehmenden auf Moderationskärtchen festhielten und an einer Moderatorenwand sammelten. In einer Abschlussrunde wurden die Ergebnisse vorgestellt und kurz diskutiert.

Ergebnisse 

Die Themenbereiche zeigten erwartungsgemäß eine große Überlappung. Dennoch konnten durch die Fragestellung spezifische Problemfelder, Wünsche und Lösungsansätze aufgedeckt werden. 

Zusammenfassend kristallisierten sich ein paar Schwerpunkte heraus: es fehlt eine Anlaufstelle für Belange der Herrensohrer(innen) in der lokalen Verwaltung, ein Dorffest sollte mit überschaubarem Aufwand wieder aufgenommen werden, um die Attraktivität von Herrensohr zu steigern. Das Gemeinschaftsgefühl soll u.a. durch Projekte unter Einbindung bestehender Gruppen, Veröffentlichung von regelmäßigen Aktivitätsangeboten und Ständchen für Jubilare gefördert werden. Die Jugend soll gezielter erreicht werden, um deren Bedarfe besser kennen zu lernen und sie stärker in das Dorfgeschehen einzubeziehen. Der Wunsch nach einem Dorfgemeinschaftsraum in der Ortsmitte wurde deutlich, Anforderungen gesammelt und mit bestehenden Örtlichkeiten abgeglichen. Besonders hingewiesen wurde auf die Möglichkeit, schon heute das AWO-Haus zu nutzen und perspektivisch das Feuerwehrgerätehaus zu nutzen, da dieses vermutlich auf mittlere Sicht aufgegeben werden müsse. 2030 sollen Einkaufsmöglichkeiten sowie KiTa und Schule gesichert bzw. ausgebaut sein, eine generationenübergreifende Begegnungsstätte und grüne Oasen existieren, der Verkehr entschleunigt und Neubürger herzlich empfangen werden. Für all dies sahen die Teilnehmenden es als wichtig an, dass bürgerschaftliches Engagement zumindest nicht behindert oder durch bürokratische Auflagen erschwert, besser aber aktiv gefördert wird.

Was können wir gemeinsam für die Attraktivität von Herrensohr tun? 

Es kam zunächst deutlich zum Ausdruck, dass eine fehlende Anlaufstelle bei Problemen/Beschwerden jeglicher Art fehlt. Der „Mängelreporter“ in der Saarbrücken-App und auf der Webseite der Stadt sowie die Behördentelefonnummer 115 können hier erste Anlaufstellen sein.

Wichtig war auch die „Ortsmitte“, für die nach dem Scheitern des Projekts „L(i)ebenswerte Ortsmitte Herrensohr“ nach einer Alternative gesucht werden müsse. Ein neues Konzept für ein Dorffest mit lokalem Fokus und ein interkulturelles Fest (Essen verbindet!) sollte entwickelt werden.

Wie können wir gemeinsam das Gemeinschaftsgefühl der Herrensohrer Bürger fördern?

Projekte unter Einbindung bestehender Gruppen und direkter Ansprache von Akteuren, wie reelle und virtuelle Dorfspaziergänge, die Wiederherrichtung des Atze-Platzes oder eine Flanierausstellung mit Kunstwerken in den vielen ehemaligen Schaufenstern aber auch kontinuierliche Angebote wie ein Reparaturcafé, Ständchen von Kindergartenkindern bei Jubilaren und Bürgersprechstunden und eine öffentliche Liste von regelmäßigen Angeboten von Vereinen und Gruppen wurden hier gesammelt. 

Wie können wir erreichen, dass die Jugend einen guten Treffpunkt bekommt?

Bei dieser Frage wurde eine Ambivalenz und Unsicherheit deutlich. Da die Altersgruppe im Forum praktisch nicht vertreten war, stand die Frage im Raum, wie man die Jugend überhaupt in einen gemeinsam getragenen Prozess zur Entwicklung des Dorfes einbeziehen bzw. für einen Dialog als Voraussetzung für gemeinsames Handeln gewinnen kann. Konkret kamen Ideen auf, wie die Einrichtung eines WLAN-Hotspots an der Bushaltestelle Marktplatz sowie statistische Erfassung und Befragung der Jugendlichen. Aktuelle Treffpunkte seien der Schulhof und der Boltzplatz in der Petrusstraße.

Wie schaffen wir gemeinsam einen guten Dorfgemeinschaftsraum?

Die Diskussion über Raum bzw. Orte oder Plätze für Begegnung und Dorfgemeinschaft wurde sehr lebendig diskutiert und brachte vielfältige Ideen und Möglichkeiten zum Vorschein. Der Frage „Brauchen wir überhaupt einen Raum?“ stand die Aussage gegenüber „Die Bedarfe kommen mit dem Raum“. Zunächst wurden Bedarfe an einen Raum gesammelt, dann die aktuell (nicht-)öffentlichen und die aus unterschiedlichen Gründen nicht-nutzbaren Räume gesammelt, um dann auch Lösungsvorschläge zu erarbeiten. So wurde besonders auf die Möglichkeit der Nutzung des AWO-Hauses hingewiesen und die mittel- bis langfristige Aufgabe des Feuerwehrgerätehauses hingewiesen. Auch wurde festgehalten, dass der derzeit geschlossene Dorfladen am Marktplatz eine gute Größe und Position für einen Dorfgemeinschaftsraum hätte.

Herrensohr 2030 – Wie soll es aussehen?

An diesem Thementisch kam deutlich zum Ausdruck, dass es nicht ausreicht, Defizite zu beklagen und auf die Verwaltung zu verweisen, sondern dass bürgerschaftliches Engagement und Eigenverantwortung unter anderem durch Abbau bürokratischer Hürden gefördert werden sollten. Wichtig waren Sauberkeit, eine (generationenübergreifende) Begegungsstätte, Einkaufsmöglichkeiten und der Erhalt von Schule und KiTa. Grüne Oasen sowie nachhaltige bürgernahe Konzepte für den ruhenden und fließenden Verkehr und die Nutzung von freiwerdendem Wohnraum sowie Willkommenspakete für Neubürger sollen die Lebensqualität in Kaltnaggisch steigern.

Wie geht es weiter?

Die Ideen werden nun vom gesichtet und sollen in einem Dorf-Gespräche im Herbst priorisiert und Engagierte bei der Umsetzung ihrer Herzensangelegenheit unterstützt werden.

Der OIV ist sehr erfreut über den großen Zuspruch zu diesem Dorfentwicklungsprozess sowie den konstruktiven Dialog im Bürgerforum und ist guter Dinge, dass ein paar der Ideen tatsächlich zum Wohle der Ortsgemeinschaft umgesetzt werden.

Wer sich an dem Dorfentwicklungsprozess noch beteiligen möchte, ist herzlich willkommen und kann sich über die Facebook-Gruppe oder per eMail (info@oiv-herrensohr.de) melden, damit der OIV über die weiteren Schritte informieren kann.